modified on 18. Januar 2011 at 09:17 ••• 1.637 views

T-City

Aus Bürgerwiki Bodensee

Wechseln zu: Navigation, Suche

T-City: Eine Stadt lebt Zukunft

2006 hat die Deutsche Telekom das T-City-Projekt ins Leben gerufen. Ziel: gemeinsam mit einer Stadt in Deutschland zu zeigen, welche Chancen sich aus schnellen Mobil- und Glafasernetzen im Zusammenspiel mit moderner Kommunikationstechnologie bieten – für Wirtschaft, Institutionen, öffentliche Einrichtungen und nicht zuletzt für die Bürger. Gleichzeitig sollte die T-City als beispielhafte Zukunftswerkstatt für Innovationen dienen, in der alle Bevölkerungsgruppen Produkte und Anwendungen aus der Welt von morgen ausprobieren.

Inhaltsverzeichnis

Wettbewerb: Wer bekommt den Zuschlag?

Um die T-City zu finden, rief die Deutsche Telekom im Mai 2006 zu einem Wettbewerb der besten Ideen auf. Aufgerufen waren Städte zwischen 25.000 und 100.000 Einwohnern. Zur T-City sollte die Stadt gekürt werden, in der möglichst viele Bürger, soziale Gruppen, Unternehmen und Institutionen gemeinsam kreative Konzepte für mehr Lebens- und Standortqualität in ihrer Heimatstadt entwickeln – mit Hilfe neuartiger Dienstleistungen und Produkten auf Basis breitbandiger Netze. Von den 52 Bewerber-Städten kamen zehn in die engere Wahl. Sie hatten in der Endrunde Gelegenheit, ihre Projektideen zu vertiefen. Zuvor besuchte sie ein Team von Fachleuten der Telekom und der Uni Bonn, um mit den Verantwortlichen zu sprechen und ihnen Tipps zu geben.

Friedrichshafen wird T-City

Am 21. Februar 2007 entschied eine mit Experten aus Medien, Wirtschaft und Wissenschaft besetzte Jury: Friedrichshafen wird T-City. Gemeinsam mit den Bürgern und Projektpartnern der T-City sollen bis 2012 möglichst viele Wettbewerbsideen in die Praxis umgesetzt werden. Die Deutsche Telekom stellt hierfür Sach-, Personal- und Finanzmittel in Form von Eigeninvestitionen, anteiligen Gemeinschaftsinvestitionen und Sponsoring bereit. „In Friedrichshafen demonstrieren wir, was wir unter der Gemeinschaftsleistung eines innovationsfreundlichen, integrierten Telekommunikationskonzerns verstehen“, sagte Konzernchef René Obermann nach der Entscheidung. Unter dem Slogan „T-City Friedrichshafen. Wir leben Zukunft“ machen Stadt und Telekom seitdem die Welt von morgen erlebbar.

Projekt startet mit Breitbandausbau

Der offizielle Startschuss für das T-City-Projekt fiel am 17. April 2007 im Rahmen eines Bürgerfestes. Im Anschluss wurde Friedrichshafen als eine der ersten Städte in Deutschland fast lückenlos an das schnelle Glasfaser- und Mobilfunknetz der Telekom angeschlossen. Damit setzte die Deutsche Telekom ihr erstes Wettbewerbsversprechen in T-City nach nur zwei Monaten um und legte den Grundstein für die gemeinsame Zukunftswerkstatt. Für die schnellen Internetverbindungen über das VDSL-Netz mit Übertragungsraten von 50 Megabit pro Sekunde wurden 145 Multifunktionsgehäuse aufgebaut und circa 120 Kilometer Glasfaser verlegt. Via HSDPA (High Speed Downlink Packet Access) standen im Mobilfunk Datenraten von 3,6 Megabit pro Sekunde zur Verfügung. Im Oktober 2007 ging HSDPA 7,2 an den Start – mobiles Surfen wurde so noch komfortabler und der Download umfangreicher Dateianhänge spürbar schneller. Der Ausbau der Netze war Ende 2007 abgeschlossen: Seitdem ist die Stadt zu 98 Prozent mit VDSL und weitestgehend flächendeckend mit UMTS (bis zu 14,4 MBit) versorgt. „Friedrichshafen kommt als T-City in den Genuss einer besonders leistungsfähigen Festnetz- und Mobilfunkinfrastruktur“, so T-City-Repräsentant Ferdinand Tempel. „Sie ist für viele der geplanten Projekte und Anwendungen eine wichtige Voraussetzung.“

Organisation des Projekts

Die Grundlage für die Partnerschaft von Stadt und Telekom bildet ein am 24. August 2007 von den beteiligten Projektpartnern unterzeichneter Rahmenvertrag. Er regelt neben den Projektzielen auch die Organisationsstrukturen. Die operative Arbeit der Partnerschaft steuert und koordiniert ein gemeinsames Projekt-Büro, das Stadt und Telekom vor Ort aufgebaut haben. Es ist zugleich zentrale Anlaufstelle für die Friedrichshafener Bürger. Ein Aufsichtsrat mit Vertretern von Friedrichshafen und der Deutschen Telekom tagt viermal im Jahr und überwacht die Einhaltung der Ziele. Zum regelmäßigen Informationsaustausch über aktuelle Entwicklungen wurde darüber hinaus ein Partner-Netzwerk für alle interessierten Unternehmen und Einrichtungen ins Leben gerufen.

Partner von T-City

Kooperationen spielen für das Gemeinschaftsprojekt T-City eine besondere Rolle. Neben vielen Unternehmen oder Institutionen in den jeweiligen Einzelprojekten begleiten vier Partner das Projekt über die gesamte Laufzeit: Alcatel-Lucent, Samsung Electronics, der Deutsche Städte- und Gemeindebund und die Uni Bonn. Als Premium- und Technologiepartner unterstützt Alcatel-Lucent neue Projektideen. Auch Samsung ist an Bord und steuert Handys, Notebooks, Flachbildschirme oder intelligente Haushaltsgeräte bei. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund hat bereits bei der Ausgestaltung des Ideenwettbewerbs mitgewirkt und kümmert sich um die kommunale Perspektive des Projekts sowie den regelmäßigen Austausch mit interessierten Kommunen aus Deutschland. Die Uni Bonn schließlich war schon beim Auswahlverfahren zur T-City dabei. Die Hochschule begleitet T-City wissenschaftlich und bewertet den Fortgang des Projektes.

Auch regional ansässige Institutionen und Firmen kooperieren mit T-City. Dazu gehören Friedrichshafener Schulen und Kindergärten genauso wie die Stadtverwaltung und das Landratsamt des Bodenseekreises, die Technischen Werke Friedrichshafen (TWF), das Klinikum, der Automobilzulieferkonzern ZF und die Giritech GmbH oder die Katamaran-Reederei. Neben der regionalen und überregionalen Pressearbeit sorgen Medienkooperationen zum Beispiel mit der Schwäbischen Zeitung, dem Fernsehsender REGIO TV EURO 3 und dem Campusradio Welle20 für eine regelmäßige Berichterstattung in Schrift, Bild und Ton.

T-City-Projekte

Rund 40 Projekte wurden seit 2007 gestartet beziehungsweise umgesetzt. Sie verteilen sich auf sechs Projektfelder, die nahezu alle Lebensbereiche der Stadt abdecken: • Lernen und Forschen • Mobilität und Verkehr • Tourismus und Kultur • Bürger, Stadt und Staat • Wirtschaft und Arbeit • Gesundheit und Betreuung

Die ersten Projekte starteten Ende 2007 – zum Beispiel „Mobile Visite“, die bundesweit erste Installation des Motiva-Systems zur interaktiven Betreuung chronisch herzkranker Patienten. Oder „KatCard“, das bargeldlose Bezahlen von Bodensee-Katamaranfahrten mit dem Handy. Zahlreiche Projekte folgten, zum Beispiel „Smart Metering“. Die intelligenten Zähler ermöglichen Hausbewohnern, ihren Strom-, Gas- und Wasserverbrauch komfortabel übers Internet abzulesen und Stromfresser im Haushalt zu identifizieren.

Ein anderes Beispiel ist die Kommunikationslösung De-Mail, die die Deutsche Telekom gemeinsam mit Partnerunternehmen und dem Bundesministerium des Innern (BMI) entwickelt hat. Damit lassen sich elektronische Nachrichten rechtsverbindlich, vertraulich und fälschungssicher versenden. Die Anwendung wurde aufgrund der bestehenden Breitbandinfrastruktur erstmalig in der T-City Friedrichshafen in einem Pilotprojekt getestet. Mit einem weiteren T-City-Projekt nimmt Friedrichshafen an einem bundesweiten Piloten für D115, der bundeseinheitlichen Behörden-Rufnummer teil. Hier erhält man schnell und unkompliziert eine Antwort auf sein Anliegen. Mit dem direkten Draht in die Verwaltung soll Bürgern der Zugang zu Auskünften erleichtert und der Service insgesamt verbessert werden. Im Laufe des Projekts haben sich weitere Schwerpunkte ergeben: Energie – T-City baut derzeit mit den TWF in den Stadtteilen Oberhof und Windhag an einem der ersten Stromnetze der Zukunft. Ein weiteres wichtiges Thema ist ein durch IKT möglichst unabhängiges Leben im Alter. Notfallsysteme, Lösungen für die Einkaufsunterstützung oder auch ein Hausmeisterrufdienst können dazu beitragen.

PR für T-City

Um die Öffentlichkeit in Friedrichshafen wie im ganzen Land über aktuelle Projekte und Meilensteine auf dem Laufenden zu halten und die Bekanntheit des Projekts zu steigern, setzt T-City auf umfassende Kommunikation. Seit dem Start des Ideenwettbewerbs ist alles Wichtige auf www.t-city.de zu erfahren. Im Internet ist das Projekt zudem bei Twitter, Facebook und mit einem eigenen YouTube-Kanal vertreten. Das Printmagazin „T-City Spiegel“ erscheint viermal im Jahr und wird direkt an alle Friedrichshafener Haushalte geliefert. Eine Schauwand in der Fußgängerzone informiert Besucher wie Bewohner Friedrichshafens über Historie und Aktuelles aus der T-City. Die Bürger haben zudem die Möglichkeit, aktiv bei T-City mitzumachen und innovative Technik kennenzulernen. So konnten sie zum Beispiel beim HotSpot Sommer 2008 kostenlos an allen HotSpots der Stadt das Highspeed-Internet nutzen oder in der Seniorensprechstunde ihre Fragen rund um Handy, Computer und Internet loswerden. Infoveranstaltungen und Vorträge im In- und Ausland sorgen zudem dafür, dass T-City zum Beispiel auch bei Firmen, Vereinen, Verbänden und Unternehmen bekannt wird. Beim „Politischen Abend“ mit dem damaligen Bundesminister des Innern, Wolfgang Schäuble, informierte T-City im September 2008 Gäste aus Wirtschaft und Politik über innovative Informations- und Kommunikationstechnologie der Zukunft.

An Veranstaltungen anderer Träger – der Bürgerversammlung im Kiesel, dem Landesseniorentag oder dem Friedrichshafener Sommerfest – beteiligt sich T-City mit Infoständen, damit die Teilnehmer Wissenswertes über die Stadt der Zukunft erfahren. Und bei Messen wie der CeBIT, der IBO (Internationale Bodensee Messe) oder der Internationalen Funkausstellung IFA ist T-City mit Projekten zum Anfassen und Ausprobieren vertreten. Für Aufmerksamkeit sorgen zudem verschiedene Sponsoringmaßnahmen: Von Oktober 2007 bis Ende 2008 schwebte regelmäßig ein mit T-City gebrandeter Zeppelin über dem Bodensee, der seit Oktober 2010 erneut zum Einsatz kommt. Von April 2009 bis April 2010 flog außerdem ein Flugzeug der Linie Intersky mit T-City-Logo auf der Strecke zwischen Köln/Bonn und Friedrichshafen. Der Moleturm und zwei Katamarane der Friedrichshafener Flotte zeigen ebenfalls seit Sommer 2010 Flagge für das Projekt.

Bürger engagieren sich

Auch Friedrichshafener Bürger setzen sich für das Projekt ein: Seit 2008 vertreten die sogenannten T-City-Botschafter mit viel Engagement die Idee von T-City im direkten Dialog mit ihren Mitbürgern und informieren Einwohner und Besucher der Stadt ehrenamtlich über Projekte, Dienste und Innovationen. Sie treten zum Beispiel bei Messen oder Events wie Stadtfesten und Familientagen auf, führen Gäste bei einem Rundgang zu den Highlights der T-City, können für Veranstaltungen gebucht werden oder laden zu Informationsveranstaltungen ein. Die T-City-Botschafter kommen aus verschiedenen Alters- und Berufsgruppen und werden regelmäßig zu allen Projekten und den zugrundeliegenden Technologien geschult.

Zukünftler leben Zukunft

Eine andere Aufgabe haben die Zukünftler. Sie testen modernste Informations- und Kommunikationstechnik kostenlos in den eigenen vier Wänden. Unter dem Motto „Schon heute ein Teil der Welt von morgen sein“ rief T-City im Sommer 2009 alle Häfler auf, sich als Zukünftler zu bewerben. Die Resonanz war enorm: 548 Haushalte in Friedrichshafen wollten mitmachen. Eine Jury wählte neun Privathaushalte und einen Kindergarten aus, die alsbald mit Hightech ausgestattet wurden: mit neuesten Smartphones und Laptops, Highspeed-Internet, oder intelligenten Stromzählern. Bei einigen wurde gleich das ganze Haus ‚schlau’ und steuert seitdem Beleuchtung, Rollläden oder die Heizung. Über ihre Erfahrungen berichten die Zukünftler regelmäßig im Internet oder im „T-City Spiegel“. Darüber hinaus touren sie mit einem Zukünftler-Wohnzimmer durch Deutschland, um anderen Menschen nahe zu bringen, wie das Leben der Zukunft aussieht und welche Erleichterungen moderne Technik in den Alltag bringt.

Wissenschaftliche Begleitung

Ob und wie sich der Alltag der Häfler durch das T-City-Projekt verändert, erforscht das Geographische Institut der Universität Bonn seit Ende August 2007 unter Leitung von Diplom-Geograph Michael Lobeck. Das Ziel der Begleitforschung ist herauszufinden, wie sich ausgewählte Einzelprojekte sowie das Gesamtprojekt auf die Lebens- und Standortqualität auswirken und sich Abläufe im Zusammenspiel der verschiedenen Akteure ändern. Mit einem Methodenmix aus quantitativen und qualitativen Verfahren werden in einer unabhängigen sozialwissenschaftlichen Untersuchung die Wirkungen des T-City-Projekts und der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien in Friedrichshafen untersucht. Neben standardisierten Befragungen per Telefon, qualitativen Interviews mit Bürgern, Unternehmensvertretern und Politikern kommen auch Instrumente wie Netzwerkanalyse, Presse- und Dokumentenanalyse sowie Beobachtungen im öffentlichen Raum zum Einsatz. Anhand des Zukünftler-Projekts hat sich bereits gezeigt, dass viele Technologien den Alltag ihrer Nutzer wesentlich erleichtern und sich auf ihr Verhalten auswirken. Weitere Untersuchungen haben ergeben, dass immer mehr Bürger das T-City-Projekt kennen. Die Forschungsergebnisse werden auf der Internetseite www.forschung-t-city.de sowie in Fachzeitschriften veröffentlicht.

Deutsche Telekom Institute for Connected Cities (TICC)

Darüber hinaus hat die Deutsche Telekom gemeinsam mit der Zeppelin Universität Friedrichshafen ein eigenes Institut gegründet: Seit Anfang 2009 leitet Professor Jörn von Lucke das „Deutsche Telekom Institute for Connected Cities“ (TICC). Es soll die Modernisierung der Verwaltung durch Forschung und Lehre unterstützen und einen kontinuierlichen Wissenstransfer zwischen Universität, Wirtschaft und Kommune organisieren. So arbeitet das TICC an zukunftsfähigen Projekten und pragmatischen Lösungen auf Basis von IT und TK, die sich mit Vorteilen und Potentialen der elektronischen Vernetzung für die Lebens- und Arbeitswelt auseinandersetzen. Ein Beispiel ist Open Government, die Öffnung von Staat und Verwaltung, die mehr Transparenz zwischen Bürgern und der Stadt schaffen soll. Dazu erforscht das TICC in T-City auch die D115, die bundeseinheitliche Behörden-Rufnummer für Verwaltungsangelegenheiten.

Nutzen für die Stadt

T-City gibt Friedrichshafen wirtschaftliche wie gesellschaftliche Impulse. Für die Stadt am Bodensee birgt das T-City-Projekt die Chance, ihre Position als beliebter Lebens- und Wirtschaftsstandort auszubauen und zum internationalen Modell einer zukunftsorientierten Stadt zu werden. Davon ist auch Oberbürgermeister Andreas Brand überzeugt: „Dank T-City wird Friedrichshafen auch über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus als innovative und zukunftsträchtige Stadt wahrgenommen. Genauso wichtig ist, dass so gut wie jeder Bürger von einer oder sogar mehreren T-City-Lösungen profitiert.“